‚Militarisierte Landschaften – Erinnerungslandschaften: Praktiken ortsbezogenen Erinnerns am Beispiel des Kalten Krieges‘ ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Forschungsprojekt am Geographischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

 

Relikte des Kalten Krieges: Militarisierte Landschaften

Munitionsbunker bei Kellinghusen

Rotten langsam vor sich hin: Munitionsbunker bei Kellinghusen (Schleswig-Holstein)

In der gesamten Bundesrepublik gibt es viele ‚Relikte‘ des Kalten Krieges. Das können ehemalige Kasernen, Bunker, sogenannte Vorbereitete Sperren, Stellungen für Flugabwehrraketen und vieles andere mehr sein. Manche wurden in der Zeit des Kalten Krieges gebaut, andere sind schon seit Jahrhunderten genutzte militärische Liegenschaften. Seit Ende des Ost-West-Konflikts und im Zuge der Strukturreform der Bundeswehr werden mehr und mehr Anlagen umgenutzt. Andere werden aktiv zurückgebaut und verschwinden ganz aus dem Landschaftsbild.

Gegenstand des Forschungsprojekts sind diese Überbleibsel der ‚militarisierten Landschaften‘ des Kalten Krieges. Als Beispiel dienen das Bundesland Schleswig-Holstein – manchmal auch schmunzelnd als ‚Flugzeugträger der NATO‘ bezeichnet – und das sogenannte ‚Fulda Gap‘ – die Gegend, wo die NATO in ihren Planspielen einen Angriff der Warschauer-Pakt-Staaten erwartete.

 

 

Erinnerungslandschaften: Relikte, Geschichte und Erinnerung

Radom der ehemaligen Luftverteidigungsstelle Wasserkuppe

Steht unter Denkmalschutz: Radom der ehemaligen Luftverteidigungsstellung Wasserkuppe (Rhön)

Es gibt nicht ‚die Geschichte‘ des Kalten Krieges. Sie ist als unsere jüngste Vergangenheit vielmehr umstritten: Welchen Wert haben Relikte des Kalten Krieges heute für uns? Was kommt unter Denkmalschutz – und was nicht? Wer interessiert sich für kleine Munitionsbunker im Wald und für Zivilschutzanlagen in öffentlichen Tiefgaragen? Was gehört ins Museum – und was nicht?

Die Vergegenwärtigung der Vergangenheit ist ein gesellschaftlicher Prozess, an dem Viele beteiligt sind. Im Forschungsprojekt wird untersucht, wie historische Orte des Kalten Krieges Teil unseres kollektiven Gedächtnis werden – oder eben nicht. Wie funktionieren ‚Praktiken des Erinnerns‘? Am Beispiel der staatlichen Denkmalpflege, großer und kleiner Museen sowie von Geocachern und anderen ‚Entdeckern‘ sowie Hobby-Historikern wird untersucht, wie ‚Erinnerungslandschaften des Kalten Krieges‘ entstehen.

 

 

Projektmitarbeiter

Die Leitung des Forschungsprojekts hat Prof. Dr. Florian Dünckmann. Als Projektmitarbeiter führe ich, Gunnar Maus, die Feldforschung durch.

Gunnar Maus

Gunnar Maus, MA

Aufgewachsen in Fulda, kenne ich aus meiner Kindheit vor allem ein Relikt des Kalten Krieges, das lange sogar noch in Betrieb war: das bekannte Radom der ehemaligen Radarstellung auf der Wasserkuppe in der Rhön. Während meines Studiums der Angewandten Kulturwissenschaften (Kulturgeographie und Kulturgeschichte) sowie der Archäologie der jüngsten Vergangenheit (Historical Archaeology of the Modern World) beschäftigte ich mich auch mit der Geschichte des Kalten Krieges. Beeindruckt hat mich dabei die flächendeckende Durchdringung der Landschaft durch militärische Planungen und Vorbereitungen: die militarisierten Landschaften des Kalten Krieges. In diesem Forschungsprojekt steht aber Art und Umfang dieser Militarisierung für sich nur in zweiter Reihe. Es geht nicht darum, die umfassende Militarisierung der alten Bundesrepublik näher zu erforschen – sondern herauszufinden, wie unsere Gesellschaft, die den Kalten Krieg zu großen Teilen noch selbst erlebt hat, heute damit umgeht. Oder anders formuliert: Wie entstehen Erinnerungslandschaften des Kalten Krieges?

Bei näheren Fragen zum Projekt oder Hinweisen sprechen Sie mich bitte gerne an.