Das Radom auf der Wasserkuppe bei Gersfeld (Rhön) ist eine weithin sichtbare ‚Landmarke‘ und als eingetragenes Kulturdenkmal eines der jüngsten Denkmäler in Hessen. Bei der Unterschutzstellung im Jahr 2009 war der Radarturm der Luftverteidigungsstellung Wasserkuppe samt imposanter Wetterschutz-Kuppel (Radom) noch keine zwanzig Jahre alt. Ein kleines Buch widmet sich jetzt der Geschichte der verschiedenen Radome auf der Wasserkuppe in der Zeit des Kalten Krieges.

Demel, Norbert, Joachim Jenrich und Norman Zellmer (2013): Radome auf der Wasserkuppe. Wahrzeichen und Denkmal. Fulda: Parzeller. ISBN 9783790004724. EUR 3,50.

Mit engem Fokus auf den Berggipfel, wo ein Sicherheitsbereich für die Anlagen der militärischen Luftraumüberwachung auf der Wasserkuppe eingerichtet war, zeichnen die Autoren die Entwicklung von der Rhönklub-Schutzhütte aus dem Jahr 1878 über erste militärische Nutzungen in der NS-Zeit bis zu den Großraumradaranlagen aus der Zeit des Kalten Krieges nach. Erstmals wird dabei die Baugeschichte der bis zu fünf Radome auf der Wasserkuppe aufgeklärt. Detailliert werden Aufbau und Abriss der unterschiedlichen Radome sowie die Radartechnik erläutert. Insbesondere das heute als Vereinsheim, Aussichtsplattform und Veranstaltungsort genutzte Radom wird in vielen technischen Details beschrieben. Da seit der deutschen Wiedervereinigung der Standort Wasserkuppe für die Luftverteidigung nicht mehr nötig war, wurde das dort aufgebaute Radargerät nur erprobt und am Standort Berlin-Tempelhof wieder aufgebaut. Die Gebäudehülle ist trotz ursprünglich geplantem Abriss erhalten geblieben und heute als Kulturdenkmal geschützt.

Radom der ehemaligen Luftverteidigungsstelle Wasserkuppe

Radom der ehemaligen Luftverteidigungsstelle Wasserkuppe

Der ehemalige Radartechniker Norbert Demel, der lange auf der Wasserkuppe gearbeitet hat und sich heute ehrenamtlich für das Denkmal engagiert, und Heimatforscher Joachim Jenrich (Die Wasserkuppe – Ein Berg mit Geschichte) haben gemeinsam mit dem Journalisten Norman Zellmer das 38 Seiten starke Büchlein geschrieben. Es ist reich bebildert, weshalb die Rund 15 Seiten Text nur für ein kurzes Lesevergnügen ausreichen.

In groben Zügen wird die Rolle der Wasserkuppe als Teil der westlichen Luftverteidigung im Kalten Krieg – von hier wurden zum Beispiel die Rosinenbomber im südlichen Luftkorridor während der Berlin-Blockade von 1948/49 dirigiert – erläutert. Wen und was man fürchtete, und dass die Gürtel der westlichen Luftverteidigung im Kalten Krieg nicht nur „zwischen dem Nordkap und der Türkei“ (S. 3) sondern auch die Arktis und mithin die westliche Hemisphäre insgesamt umfassten, geht zwar über den Rahmen des Buches hinaus; allerdings liegt die geschichtliche Bedeutung des Radoms auf der Wasserkuppe sicherlich genau darin, dass dieser lokale Ort im Kalten Krieg nur im Zusammenhang mit vielen ähnlichen Orten auf dem ganzen Globus Sinn ergab.

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Offenbar haben die Autoren einige Zeitzeugen aufgetan, die mit Fotografien und Erzählungen zum Buch beigetragen haben. Der Hinweis, dass sich die amerikanischen Soldaten „aufgrund der mitunter wochenlang anhaltenden eisigen Temperaturen und der eisigen Winde wie in der Arktis“ (S. 13) fühlten macht klar, dass jenseits der Radar-Technik Menschen – allein rund 300 Soldaten in den 60er und 70er Jahren – die Geschichte der Wasserkuppe ausmachen. Hier hätten die Zeitzeugen, Soldaten wie Einheimische, zu Wort kommen können, um die „besondere emotionale Beziehung der Menschen der Region zum Radom“ (Umschlagtext) näher zu beleuchten und dessen Geschichte umfassender aufzuarbeiten.

Eine informative, etwas zu technikverliebte, dank der bisher teils unveröffentlichten Fotos aber sehr betrachtenswerte Geschichte des Radoms auf der Wasserkuppe zu einem unschlagbaren Preis.

In der Fuldaer Zeitung (Verlag Parzeller) ist eine Inhaltsbeschreibung zum Buch erschienen.

Foto (ganz oben): Friedrich Zerbs