Das Deutsche Panzermuseum (DPM) in Munster kann eigentlich nicht klagen: regelmäßig über 80.000 Besucher im Jahr, eine treue Fangemeinde auch im Netz (über 14.000 Fans auf Facebook!) und über 100 Großexponate, die sich im internationalen Vergleich der Militärmuseen sehen lassen können. Dennoch arbeitet das Museum an einer grundsätzlich neuen Ausrichtung und hat für die neue Dauerausstellung gerade ein Basiskonzept vorgelegt.

Lehrsammlung der Panzertruppenschule

Ein Alleinstellungsmerkmal des Deutschen Panzermuseums ist sicherlich, dass es eigentlich zwei sehr unterschiedliche Institutionen unter einem Dach vereint: Die meisten Exponate gehören nicht dem Museum, sondern der Bundeswehr. Seit 1983 macht das Museum die Lehrsammlung der Panzertruppenschule auf Grund einer Vereinbarung der Stadt Munster mit der Bundeswehr der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Tageszeitung Die Welt hat sich gerade erst gefragt: Wer sind die Leute, die ins Panzermuseum gehen? Kamen früher hauptsächlich militärisch vorgebildete, männliche Besucher ins Museum, so begrüßt das Museum heute unter anderem ein Drittel weibliche Besucher – und auch Familien mit Kindern. Unter anderem deshalb möchte das Deutsche Panzermuseum sich verändern. Es möchte dieser Zielgruppe das bieten, was sie von einem Museum erwartet: Keine reine Technik-Schau für detailverliebte Experten, sondern auch ganz grundlegende Informationen, wie ein Panzer funktioniert. Gleichzeitig nutzt die Bundeswehr das Museum nach wie vor für ihre Ausbildungszwecke.

Dennoch möchte das Museum seine ‚Stammbesucher‘ nicht vergrätzen. Ein schwieriges Unterfangen, wie schon die teils hitzige Diskussion über das Basiskonzept auf der Facebook-Seite des DPM verrät:

 

Im Konzept benennen die Autoren dann auch offen das Problem, „dass viele Besucher das Museum mit der Überzeugung betreten, sie hätten qualifizierte Kenntnisse um Objekte und die Hintergründe und Kontexte“ – auch wenn das eben solche Mythen und Legenden sind, welche die moderne Militärgeschichte an den Universitäten längst widerlegt habe. Die Themen Krieg und Militär seien eben „oft Teil von individueller, familiärer oder politischer Identitätskonstruktion“, wodurch man „indirekt leicht die Identität des Besuchers mit heraus[…]fordert, was zu verbindlichen, emotionalen Reaktionen führt“ (S. 15). Vorhersehbare Probleme, die man dennoch angehen will und durch eine offene Kommunikationskultur auch nicht unter den Teppich kehrt.

‚Das Problem der technischen Aura‘

Das Panzermuseum ist sich seiner schwierigen Rolle als Kriegsmuseum durchaus bewusst. Schon mit dem Claim ‚Technik – Kultur – Gesellschaft‚ macht es darauf aufmerksam, dass die beeindruckenden Kriegsgeräte nicht allein als technische Objekte verstanden werden dürften, sondern im Sinne einer modernen Militärgeschichtsforschung auch dessen Kontexte und Auswirkungen betrachtet werden müssen. Offen gesteht das Museum ein, dass das noch zu wenig stattfinde.

Insbesondere Mythen und Legenden über die ‚Panzerwaffe‘ hat das Museum den Kampf angesagt, und möchte in Zukunft möglichst viele Perspektiven auf das Thema ‚Panzer‘ aufmachen, die man neben  reiner Technikgeschichte eben auch aus politik-, operations-, wirtschafts-, organisations-, sozial-, kultur-, alltags-, mentalitäts-, biographie- und geschlechtergeschichtliche Perspektiven betrachten kann – so das neue Basiskonzept.

Epochen der Panzerentwicklung

Die große Mehrheit der Besucher möchte nach Aussage des Museums die Exponate aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sehen. Tatsächlich nehmen aber Großexponate aus der Zeit des Kalten Krieges eine bedeutende Stellung im Museum ein. Immerhin macht der Kalte Krieg in der rund 100-jährigen Geschichte der Panzerwaffe über 40 Jahre aus. In der neuen Ausstellung sollen mit 31 Großexponaten aus der Zeit des Kalten Krieges auch rund doppelt so viele Panzer gezeigt werden wie aus der ungleich kürzeren Epoche des Zweiten Weltkrieges.

Auch die Sammlung möglicher Themen im Umfeld von ‚Kalter Krieg‘ und ‚Panzerwaffe‘, die das Museum jetzt präsentiert hat, macht deutlich, welche vielen unterschiedlichen Aspekte sich am vermeintlich schmalspurigen Thema ‚Panzer‘ thematisieren lassen: Von der neuen Gattung des Bürgers in Uniform in der jungen Bundesrepublik über die Friedensbewegung und die Zeit der großen NATO-Übungen bis hin zur Rolle der Panzerwaffe in den strategischen Überlegungen von NATO und Warschauer Pakt läßt sich auch ausgehend vom Thema ‚Panzer‘ viel über die Kultur- und Gesellschaftsgeschichte des Kalten Krieges erzählen.

Hintergründe zum Deutschen Panzermuseen und dessen Pläne für die Zukunft:

Engau, Julia; Raths, Ralf (2013): Basiskonzept für die Neugestaltung des DPM. Deutsches Panzermuseum Munster. Hannover.

Raths, Ralf (2011): Panzerstahl als Bildungsträger? Das Deutsche Panzermuseum Munster im Umbruch. In: Mitteilungsblatt Museumsverband Niedersachsen Bremen 72, S. 44–50.