Die ‚Abschnittsführungsstelle für Zivil- und Katastrophenschutz‘ in Ilbenstadt (Niddatal) sollte einmal einer von acht Bunkern des Katastrophenstabes der Stadt Frankfurt am Main werden. Im Verteidigungsfall hätte hier der Oberbürgermeister mit rund 90 weiteren Personen Frankfurt aus regiert. Verwirklicht wurde das Konzept letztendlich nie – und der 1970 fertiggestellte Bunker in Ilbenstadt nicht einmal beprobt. Wahrscheinlich waren heute schon mehr an der Zeitgeschichte des Kalten Krieges interessierte Besucher in dem Bunker, als jemals Personal der Behörden.

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Heute gehört der Bunker der Gemeinde Niddatal, die den Funkturm an Telekommunikationsunternehmen verpachtet. Den dreistöckigen Bunker darunter hat jedoch der Bunker Ilbenstadt e.V. gemietet und bietet Führungen an. Durch die Drucktore in der Schleuse geht es hinab zu einer rund eineinhalbstündigen Führung in den 12 Grad kalten Bunker. Erfahrene Vereinsmitglieder erläutern detailliert Funktion und Ausstattung der einzelnen Räume – von den schwingend gelagerten Böden im ersten Tiefgeschoss bis zu den Dieselaggregaten auf der Technikebene 12 Meter unter der Oberfläche. Die originale oder aus der Zeit stammende Ausstattung – oft funktionsfähig – vermittelt einen sehr konkreten Eindruck davon, wie sich die Planer den Bunkerbetrieb vorgestellt haben. (Wer eine Viertelstunde Zeit hat, dem sei die Sendung ‚Zivilschutz in der Erde‘ aus dem Offenen Kanal Offenbach/Frankfurt mit einem Rundgang durch den Bunker empfohlen.)

Zwar wurde der Bunker bei Ilbenstadt schon als „Denkmal der Angst“ bezeichnet; ein Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes ist er aber nicht. Bisher ist es allein ehrenamtlicher Arbeit zu verdanken, dass der Bunker an bestimmten Terminen für Besucher geöffnet ist. Zuvor war der Bunker nur ein Mal ‚offen‘ – nämlich 1985, als Aktivisten die Türen aufschweißten und das Inventar demolierten. Bis heute zeugen Graffiti von der politisch motivierten Aktion: „Kein sicheres Plätzchen für die Bonzen / Schweine ins Weltall“.

Im 'Führungsraum' zeugen noch heute Graffiti von Aktivisten vom Einbruch 1985

Im ‚Führungsraum‘ zeugen noch heute Graffiti von Aktivisten vom Einbruch 1985

Herzlichen Dank an den Bunker Ilbenstadt e.V. für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung von Fotos aus dem Innern des Bunkers. Der Verein veröffentlicht die Termine für die jeweils nächsten öffentlichen Führungen im Internet.