Der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) verbindet – wie der Name schon sagt – Nord- und Ostsee. Gleichzeitig trennt er allerdings auch den Norden vom Süden Schleswig-Holsteins. Das machte die Brücken, Tunnel und Fähren auch zur Zeit des Kalten Krieges zu strategisch wichtigen Punkten. Hinzu kommen noch sogenannte Ersatzübergangsstellen, häufig auch NATO-Rampen genannt, die für eine Verbindung beider Ufer mit Schwimmbrücken vorbereitet waren.

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Vorbereitete Sperren

Um jedoch den Feind bei der Überquerung des NOK zumindest zu behindern, wurden zahlreiche sogenannte Vorbereitete Sperren eingerichtet. Bei Brückenbauten war meist nicht die Sprengung der Brücke selbst vorgesehen, sondern vielmehr das (zumindest vorübergehende) Unpassierbarmachen der Zuwegung. Ein Beispiel ist die Rendsburger Hochbrücke, deren südliche Zuwegung auf dem Bahndamm mit einer Grabensperre ausgestattet wurde. Man hätte hier quer durch den Bahndamm verlaufende Röhren mit Sprengstoff gefüllt, um so Gräben in den Damm zu sprengen. An der Alten Levensauer Hochbrücke bei Kiel sind hingegen die Straßen- und Bahndämme nördlich und südlich des Kanals mit Trichtersperren versehen. Tiefe Schächte hätte man so mit Sprengstoff befüllt, dass steile Trichter in die Fahrbahn gesprengt worden wären. Die ältere der beiden Holtenauer Hochbrücken (Baujahr 1972) war jedoch für einen sogenannten Brückenschnitt vorgesehen – man hätte ein ca. 40 Meter langes Stück durch Sprengladungen ‚herausschneiden‘ können. Der Kanaltunnel in Rendsburg wiederrum hätte mit dem Wasser des NOK geflutet werden können.

Ersatzübergangsstellen

Während Vorbereitete Sperren einen Übergang über den Kanal behindern sollten, wurden an anderen Stellen Vorkehrungen getroffen, um ihn mit schwerem Gerät überqueren zu können. Die meisten regulären Kanalfähren sind nur für geringe Tonnagen ausgelegt und deshalb offenbar nur bedingt geeignet. Zwar können Kampfpanzer wie der Leopard 2 nach entsprechender Vorbereitung bis zu 4 Meter tiefe Gewässer durchfahren; der Nord-Ostsee-Kanal hat jedoch eine Solltiefe von elf Metern. Die Lösung sind sogenannte Ersatzübergangsstellen, von denen über zehn angelegt wurden. Hier führen lange Rampen auf beiden Seiten des Kanals ins Wasser, über die Schnellbrücken-Fahrzeuge ins Wasser fahren können. Die Zuwegungen zu den Ersatzübergangsstellen sind gut ausgebaut und mit Vorbereiteten Sperren versehen, um den Feind von der Nutzung der Anlagen abhalten zu können.

Ersatzübergangsstellen ‚militärisch nicht mehr relevant‘

Die sogenannte Oststrecke des Nord-Ostsee-Kanals zwischen Rendsburg und Kiel ist teils durch enge Kurven gekennzeichnet und weist noch die Ausbaustufe von 1914 auf. Zwischen Königsförde und dem Holtenauer Binnenhafen soll er deshalb ausgebaut werden. Aus den Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren geht hervor, dass dabei auch einige Sperrobjekte und Ersatzübergangsstellen rückgebaut werden sollen. Sie sind laut (damaliger) Wehrbereichsverwaltung Nord (Februar 2010) heute überflüssig:

Von der vorgesehenen Baumaßnahme sind die militärischen Ersatzübergangsstellen (ErsügSt) Landwehr und Königsförde betroffen, die jedoch militärisch nicht mehr relevant sind […].

Auch im Zuge des Abriss und Neubaus der Alten Levensauer Hochbrücke werden vermutlich die dortigen Sperranlagen rückgebaut.

Aus dem Bauwerksverzeichnis:

– Ersatzübergangsstelle Groß Königsförde (nördlich) (S.10): ersatzloser Rückbau
– Sperrobjekte Groß Königsförde, 4 Schächte (nördlich) (S. 12): ersatzloser Rückbau
– Ersatzübergangsstelle Landwehr Nord (S. 65f): ersatzloser Rückbau
– Ersatzübergangsstelle Landwehr Nord, Amphibienrampe (S. 66): ersatzloser Rückbau
– Sperrobjekte Landwehr, vier Schächte in der nördlichen Zuwegung (S.68): ersatzloser Rückbau
– Ersatzübergangsstellen Landwehr Süd (S. 71f): ersatzloser Rückbau
– Sperrobjekte Landwehr, vier Schächte in der südlichen Zuwegung (S. 74f): ersatzloser Rückbau

‚Zeugnisse der Geschichte‘?

Sperranlagen und ähnliche Einrichtungen aus der Zeit des Kalten Krieges verschwinden im Zuge allgemeiner Straßenbauarbeiten – oder in diesem Fall eben des Ausbaus des Kanals – nach und nach. Unter www.sperranlagen.de gibt es ein Datenbankprojekt, das „die noch vorhandenen, aber auch die bereits ‚zurück gebauten‘ Sperranlagen erfassen [soll], da sie für die Geschichte des Kalten Krieges und damit die Deutsche Geschichte einzigartige Zeugnisse“ seien. In Bayern wurden einige solcher Sperranlagen bereits unter Denkmalschutz gestellt (vgl. Karte der Denkmäler des Kalten Krieges).

Was sagen Sie dazu? Sind solche Sperranlagen und Ersatzübergangsstellen ihrer Meinung nach ‚denkmalwürdig‘?