Die ausgedehnten Gebiete des Pfälzer Waldes sind durchzogen von sogenannten “Lost Places”: verlassenen, ehemals geheimen Bunkeranlagen, unterirdischen Lagerhallen und riesigen Funktürmen. 1982, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges begann hier das amerikanische Militär, elektromagnetische Wellen in nie gekannter Stärke zu testen. Doch schon bald kam es in der Umgebung der Testanlage zu 28 Todesfällen. Die Versuche wurden abgebrochen und die Anlage stillgelegt. Bis heute…

Mit dieser atmosphärischen Einstimmung beginnt die Zusammenfassung des 3D-Mystery-Thrillers ‚Lost Place‘, der am 11. April in die deutschen Kinos kommt. Der Film der Produktionsfirmen Moviebrats und Dragonfly Films handelt dann weiter von vier jugendlichen Geocachern, die im Pfälzer Wald auf Tour sind. Auf einem verlassenen Campingplatz verschwindet dann ein Mädchen aus der Gruppe. Auf der Suche nach ihr, verschlägt es sie  auf ein geheimes Militärgelände.

Der Regisseur und Co-Autor des Stoffs, Thorsten Klein, gibt an, das Genre des Mystery-Thrillers mit ‚Lost Place‘ auch einmal erfolgreich nach Deutschland verlegen zu wollen und ergänzt (am Ende dieses Videos), dass es ihn natürlich auch gereizt habe, in seiner Heimat zu drehen.

Dreharbeiten

Gedreht wurde 2011 im Studio in Berlin sowie an Drehorten in Rheinland-Pfalz und Hessen. Dass die Dreharbeiten in Hessen ausgerechnet im Bereich des Fulda Gaps bei Marbach nördlich von Fulda stattgefunden haben, dürfte aber Zufall sein (ausführliche Berichte dazu hier, hier, hier und hier (mit Video)). Da der Film mit 200.000 Euro durch die hessische Filmförderung HessenInvestFilm unterstützt wurde, musste dieses Geld auch wieder in Hessen ausgegeben werden. Meines Wissens spielten aber Relikte des Kalten Krieges hier keine Rolle, sondern es wurde ein verlassener Campingplatz im Marbacher Wald als Filmkulisse aufgebaut.

Als ‚geheimes Militärgelände‘ dienten die inzwischen nicht mehr genutzten Radar- und Richtfunkeinrichtungen auf dem Langerkopf im Pfälzer Wald. Das Gelände zählt wohl zu denjenigen Lost Places, die relativ bekannt sind – z.B. durch einschlägige Fotografie (Beispiel I, Beispiel II) und bei Hobby-Historikern. Auch nach den Dreharbeiten zum Film – hier ein Videobericht des SWR – kam es nach Berichten der Rheinpfalz immer wieder zu illegalen Begehungen des Geländes. Dass das ‚Durchschlüpfen‘ durch Zäune und das Ignorieren von Verbotsschildern auch bei Geocachern umstritten wenn nicht gar mehrheitlich verpönt ist, belegt die Diskussion in den Log-Einträgen auf der Seite des dort angelegten Caches Funkloch #2. Die Nachnutzung des Geländes scheint umstritten: Neben Plänen zur Nutzung des Geländes als Windkraft-Standort fordern andere Denkmalschutz für die Anlage.

Resonanz in der Geocaching-Szene

Beim Marketing gab man sich offensichtlich schon früh Mühe, auch Teile der Geocaching-Community für den Film zu interessieren und lud in Geocaching-Foren sogar zum Setbesuch in Berlin ein. Der oben erwähnte Geocache Funkloch #2 – mit über 700 Favoritenpunkten auf der Geocaching-Plattform geocaching.com und über 1.000 geloggten Besuchen außerordentlich populär – ist in der Gestaltung der Beschreibungsseite sehr eng an den Film angelegt. Ob die Produktionsfirma am Erstellen des Caches beteiligt war, ist nicht ersichtlich. Allerdings gab es schon im Rahmen der Dreharbeiten eine Veranstaltung zum Thema transmediales Erzählen – also der Ausweitung der Story des Kinofilms in andere mediale Formen, zu denen auch Geocaching gehören könnte.

Seit der erste umfangreiche Teaser-Trailer online ist, kann man auf der facebook-Seite des Films viele gespannte Äußerungen von Nutzern nachlesen. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. So schreibt ein User: „Glaubt Ihr tut mit dem Film dem Hobby etwas Gutes? Wisst Ihr was Ihr damit vermutlich anrichtet?“ In einer ausführlichen Antwort schreibt das fb-Team des Films, die Autoren hätten sich

„sich intensiv mit dem Thema Geocaching auseinandergesetzt und sich mit den Regeln vertraut gemacht, und wir haben großen Wert darauf gelegt, dass Motivationen und Handlungen überzeugend dargestellt werden. Auch die Darsteller des Films haben im Zuge der Dreharbeiten begonnen, aktiv Geocaching zu betreiben.“

Lost Place, Geocaching: Mainstream-tauglich?

Die ersten Diskussionen darüber, wie Geocaching im Film dargestellt wird, zeigen, dass eine so vielfältige Community wie die der Geocacher sicherlich ganz unterschiedlich auf den Film reagieren wird. Auf jeden Fall werde ich mir den Film ansehen, wenn er in die Kinos kommt und diese Diskussion weiter verfolgen. Dass es sich dabei ausgerechnet um einen kaum massentauglichen Genre-Film („Mystery-Thriller“) handelt, kommt meinem persönlichen Geschmack nicht gerade entgegen.

Ich finde es dennoch interessant, dass ausgerechnet Geocacher und Relikte des Kalten Krieges – auch wenn letztere im Film wohl als aktuell betriebene Militäranlagen gezeigt werden – in dieses Genre passen. Offenbar schätzen die Filmemacher diesen Stoff (Lost Place/Kalter Krieg und Geocaching) als so allgemein bekannt und zugänglich ein, dass er für eine aufwändige Kinoproduktion trägt. Bemerkenswert finde ich außerdem, dass im Falle der Konversionsbemühungen um den Drehort Langerkopf im Pfälzer Wald anscheinend erst seit einigen Monaten auch Denkmalschutz als ernsthafte Option in die Diskussion eingebracht wird.

Beides – die Kinoproduktion und die Diskussion über die Konversion – stehen für mich dafür, dass einerseits Relikte aus dem Kalten Krieg vermehrt als historische Zeugnisse und erhaltenswerte Orte gesehen werden. Andererseits ist Geocaching mittlerweile offenbar eine allgemein bekannte (wenn vielleicht auch nicht anerkannte) Form der Erkundung einer Region geworden. Wie der Film mit diesen gesellschaftlichen Vorstellungen spielt, sehen wir dann ab April im Kino.