Am Rande eines Aufenthalts in der Region Fulda (ein paar Berichte werden demnächst folgen) habe ich auch ein paar alte DDR-Grenztürme besucht. Eigentlich klammere ich ja die ehemalige DDR im Allgemeinen und die Grenzsperranlagen im Speziellen aus, doch den sehr unterschiedlichen Umgang mit diesen Zeugnissen deutsch-deutscher Geschichte auf so engem Raum fand ich dann doch bemerkenswert:

Grenzturm bei Wiesenfeld

Dieser Grenzturm bei Wiesenfeld, genauer eine Führungsstelle für einen Grenzabschnitt,  sieht in etwa so aus, wie ich mir erhaltene Grenztürme vorgestellt habe. Laut einem Schild wurde er im Jahr 2005 durch das Grenzmuseum Point Alpha restauriert. Eine Schautafel des Grenzlehrpfad Point Alpha bietet weitere Informationen. Ob man den Turm besichtigen kann, ließ sich vor Ort jedoch nicht herausfinden.

Grenzturm bei Spahl

Dieser ehemalige Grenzturm bei Spahl, wohl ein baugleiches Modell (ich kenne mich mit den Anlagen nicht so sehr aus), erscheint hingegen schon ganz anders. Obwohl er auch nur knapp hundert Meter vom Verlauf des Grenzlehrpfads entfernt ist, wird hier offensichtlich nichts getan. Fenster fehlen, die Tür lässt sich aufziehen und man kann den Turm betreten, auch wenn die Treppe nach oben fehlt. Aus irgendeinem Grund ist der Turm zur Hälfte orange-beige gestrichen. Die Sichtbeziehung zur ehemaligen Grenze ist abhanden gekommen – der Turm steht mittlerweile quasi im Wald.

Grenzturm bei Point Alpha

Ein krasses Gegenstück zum verfallenden Grenzturm bei Spahl ohne erkennbare Pflege ist natürlich die Grenzrekonstruktion bei der Gedenkstätte Point Alpha in der Nähe von Geisa. Der Turm ist gar beschriftet mit dem Hinweis ‚Denkmalschutz! Bitte nicht zerstören!‘. Auf dem Dach des Turmes befinden sich jedoch moderne Funkanlagen (vermutlich Mobilfunk).

Grenzturm bei Buttlar

Was beim Turm am Point Alpha im Vergleich gerade noch dezent wirkt, erscheint beim ehemaligen Grenzturm in der Nähe von Buttlar geradezu grotesk. Das Gebäude – offenbar übrigens der erste Beobachtungsturm dieser Bauart – ist ein verfallendes Gerippe aus Beton, das zu einem besseren Mobilfunkmast umfunktioniert wurde.

Denkmalschutz und Denkmalpflege?

Natürlich kann (und muss) man sich die Frage stellen, ob, wieviele und welche Relikte der Grenzsperranlagen man erhalten will. Der Freistaat Thüringen hat einige Objekte unter Denkmalschutz gestellt, doch konnte ich näheres dazu online nicht ohne weiteres finden. Denkmalschutz hin oder her – ein Konzept ließ sich bei diesen eher zufällig besuchten Grenztürmen in einem kleinen Grenzabschnitt zumindest nicht erkennen. Die Umnutzung zu Funktürmen finde ich persönlich zumindest fragwürdig.

 

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PS

Die Türme habe ich im Zuge eines kleinen Geocaching-Rundganges besucht: Buttlar, Point Alpha/Geisa, Wiesenfeld, und Spahl. Die Anzahl von Publikationen zur innerdeutschen Grenze ist natürlich sehr groß. Organisation und Technik der Grenzsperranlagen ist z. B. dokumentiert bei Lebegern, Robert: Mauer, Zaun und Stacheldraht: Sperranlagen an der innerdeutschen Grenze 1945-1990. Weiden: Role-Verl. 2002. ISBN 3-936545006 .