Bei einigen Posts, auch beim letzten, habe ich schon darauf hingewiesen, dass ich häufiger Geocache und dabei Orte des Kalten Krieges besuche. Zeit für eine kurze Erklärung, was mich am Geocachen reizt.

Geocachen

PETling Geocache

Ein kleiner Schatz: eine typische ‚Dose‘ sind sogenannte PETlinge, nicht aufgeblasene Rohlinge von PET-Flaschen, die gut versteckt werden können

Geocachen ist eine Freizeitbeschäftigung, bei der jemand einen kleinen ‚Schatz‘ (cache = engl. Schatz) versteckt. Ziel des Spiels ist diese kleinen versteckten Gegenstände – oft Filmdosen, Frühstücksboxen oder ähnliches – zu finden. Die Suche beginnt im Internet. Auf Portalen wie dem kommerziellen Angebot geocaching.com oder der freien Alternative opencaching.de können Mitspieler ihre Verstecke veröffentlichen. Ein Cache-Owner, also der Besitzer des Caches, gibt dort die geographischen Koordinaten ein, an denen ein Cache versteckt ist. Mit einem GPS-Gerät kann man das Versteck nun aufsuchen.

Ein GPS-Gerät (Empfangsgerät für die Satelliten des Global Positioning System) führt zum Ziel

Im Bild sieht man außerdem ein kleines Logbuch, in dass sich die Cacherin oder der Cacher mit seinem Pseudonym sowie dem Datum des Fundes einträgt. Viele nutzen dann allerdings auch die Möglichkeit, sich in das digitale Logbuch auf Geocaching.com etc. einzutragen. Dort werden dann alle eigenen Funde gezählt (bei mir sind das noch nicht sehr viele):

Profile for tcmc

Soviel in aller Kürze. Wer sich genauer über Geocachen informieren möchte, dem sei die sehr umfangreiche Wikipedia-Seite ans Herz gelegt oder ein Blick in eines der zahlreichen Foren. Es gäbe viele Themen, die man rund um das Geocachen diskutieren könnte: Probleme mit unberechtigtem Betreten bzw. Verstecken von Gegenständen auf privatem oder öffentlichem Grund (was sogar schon falsche Bombenalarme auslöste), die verschiedenen ‚ungeschriebenen Gesetze‘ des Geocachens (z. B. die vielen Abkürzungen und das Fachkauderwelsch, dem man begegnet) oder die schon längst stattfindende Nutzung des Outdoor-Trends im Schuluntericht. Ich möchte hier nur kurz auf eine Kategorie eingehen, die meine Arbeit zum Erinnern an den Kalten Krieg besonders berührt:

Geschichtscaches

Wenn ich ehemalige Anlagen des Kalten Krieges besuche, dann schaue ich auch nach, ob es in der Nähe einen Geocache gibt. Das etwas längere Erlebnis eines Multi-Caches, habe ich schon hier (Englisch) näher beschrieben. Das spannende an Geocaches ist für viele CacherInnen, dass man an Orte geführt wird, die man nicht kennt geschweige denn zufällig entdecken würde. Manche Cache-Owner nutzen die Webseite ihres Caches, um etwas über den Ort, an dem Sie etwas versteckt haben, zu erzählen. Die Palette reicht von ganzen historischen Stadtführungen und Dorfrundgängen mittels Geocaches bis hin zur knappen Information ‚hier stand mal Gebäude xyz‘.

Was hier seit Jahren zuwuchert, war mal ein Kasernengelände

Manchmal handelt es sich also nur um den einfachen Hinweis, dass dieses Gewerbegebiet im Herzogtum Lauenburg mal eine Kaserne war. An anderen Stellen, wie dieser ehemaligen FLAK-Stellung aus dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe des Flugplatzes Hohn, wurde schon ein wenig mehr recherchiert und in der Beschreibung zusammengetragen. Bei diesem Cache in einem ehemaligen Fernmeldebunker der Bundeswehr überwiegt dann schon eher die Faszination für den „unheimlichen, fast mystischen Ort“ und man muss sich schon sehr fragen, ob man dort nicht lieber nur nach vorheriger Absprache mit dem Eigentümer hingehen sollte. Dieser Cache ist übrigens auch mit dem Hinweis ‚Lost Place‘ versehen.

Wie immer bin ich für Hinweise, diesmal auf Geschichtscaches (im weitesten Sinne) mit Bezug zur Zeit des Kalten Krieges dankbar. Ich sammele verschiedene Beispiele und schaue mir an, was über diese Orte in den Caches erzählt wird. In den Online-Logbüchern tragen viele Nutzer persönliche Geschichten zu diesen Orten bei.

12.000 Kilometer Militärgeschichte

Zum Schluss noch ein Fall, den ich sehr spannend fand. Wer nicht so gut zu Fuß ist oder nicht die Mittel hat, mal eben von Mauritius über Großbritannien nach Deutschland zu reisen, der kann stattdessen auch einen Stellvertreter auf die Reise schicken. Trackables sind Gegenstände mit verfolgbaren Seriennummern, die Cacher von Cache zu Cache mitnehmen können – während der Besitzer dies von zu Hause aus über das Internet verfolgt. Einen sogenannten Travelbug habe ich neulich in einem Cache in Schleswig-Holstein entdeckt:

Größerer Cache mit Tauschgegenständen und einem ‚Travelbug‘

Gibt man die Trackable-Nummer online ein, so findet man heraus, dass dieser Trackable ‚GUNNER‘ (= engl. Kanonier) heißt und von seinem Besitzer am 27. August 2010 in einem Cache auf der Insel Mauritius auf die Reise geschickt wurde. Als Aufgabe hat er ihm mitgegeben, militärische Relikte auf der ganzen Welt zu bereisen. Bisher hat die Münze mit der Hundemarke rund 12.000 Kilometer Luftlinie zurückgelegt – die letzten 403 Kilometer davon mit mir bis zu einem kleinen Bunker im ‚Fulda Gap‘:

Die Hundemarke in meiner Hand ist der Travelbug – in diesem Falle befestigt an einem kleinen Anhänger. Der ist schon rund 12.000 Kilometer von Geocache zu Geocache gereist

Schon kurze Zeit, nachdem ich das Bild zusammen mit meinem Log des Trackables hochgeladen habe, schrieb mir der australische Eigentümer eine E-Mail: Er bedankte sich für die Fotos seines ‚Gunners‘ und  verfolge gespannt dessen Reise um den Globus – und erinnert sich dabei an seine eigene Militärzeit.