Gänzlich verzichten auf ein solches Wortspiel konnte ich im Falle der Flensburger ‚Zivilschutz-Mehrzweckanlage‘ nicht. Denn die Tiefgarage des Flensburger Rathauses ist eben nicht nur eine Garage, sondern gleichzeitig – wie viele weitere solcher Anlagen in (West-)Deutschland auch – ein Schutzraum für 2.000 Personen. Hier hätte man im Falle eines Angriffs mit Atombomben oder chemischen Waffen 14 Tage lang geschützt vor radioaktiver Strahlung und anderen Kampfmitteln ausharren können. Zum Glück wartet der Bunker seit Fertigstellung im Jahr 1968 vergeblich darauf, seine Aufgabe zu erfüllen.

Eine der hydraulisch betriebenen Türen an den drei Schleusenkammern.

Vergangenen Samstag hat der Verein unter hamburg – mit einer eigenen Projektgruppe unter schleswig-holstein – Führungen durch den Bunker angeboten. Ich habe zwar schon mal eine solche Mehrzweckanlage in Bayreuth ‚entdeckt‘ – und mich seinerzeit gewundert, was die massiven Stahltüren mit Gummidichtungen zu bedeuten haben. Die um den Parkhaus-Bereich angeordneten Funktionsräume – Waschräume, Küche, Lager, Sanitäts- und Dekontaminationsräume, Schleusen, Technik etc. – waren aber verschlossen. Mit dem Beginn meines Projektes in diesen Tagen war es nun also auch mal an der Zeit, ‚hinter die Kulissen‘ einer solchen Anlage zu schauen. Da kam mir das Angebot von unter hamburg gerade recht, und die Führungen sind sehr zu empfehlen.

Bestens gerüstet: Teller, Besteck und Klopapier für 2.000 Personen liegen in Flensburg noch bereit.

Die Eindrücke aus der Führung in wenigen Worten zusammenzufassen, fällt furchtbar schwer. Die technisch-bauliche Umsetzung eines solchen Schutzbauwerks, wie es in der trochenen Ingenieurssprache heißt, ist zweifelsohne interessant. Betrachtet man jedoch das zugrundeliegende Szenario eines Atomkriegs, dass in der Führung durch unter hamburg e.V. anschaulich erläutert wird, weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Angesichts von über 100.000 Einwohnern in der Großstadt und nur weniger weiterer Schutzbauten in der Stadt – vorausgesetzt sie hielten was sie versprachen – ist dieser Bunker wohl nur ein schwacher Trost.

Haben Sie schon mal einen ‚Schutzbau‘ aus der Zeit des Kalten Krieges in ihrer Stadt besichtigt?

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MZA Flensburg-Rathaus

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MZA Flensburg-Rathaus 54.780576, 9.433581 Artikel: Parken und Warten auf den Atomkrieg in Flensburg

PS: Laut Homepage hat unter hamburg noch keine konkreten Termine für weitere Führungen in Schleswig-Holstein geplant. Die nächsten Termine für verschiedene Führungen in Hamburg stehen jedoch schon fest.