Bereits vor über zehn Jahren hat die englische Denkmalschutzorganisation English Heritage eine umfangreiche Bestandsaufnahme von Relikten des Kalten Krieges vorgelegt. Ende der 1990er Jahre hatten die Arbeiten an dieser Inventarisation im Rahmen eines größeren Projektes zum militärischen Erbe in Großbritannien begonnen. Die Ergebnisse wurden im Buch Cold War: Building for Nuclear Confrontation 1946-1989 (Cocroft 2004) publiziert. Denkmäler des Kalten Krieges sind für die Autoren Anlagen, die in Vorbereitung auf einen mit nuklearen Mitteln zu führenden Krieg erstellt wurden – also nur ein kleiner Teil der militrärischen Einrichtungen der Nachkriegszeit:

»›Monuments‹ of the Cold War we define as structures built, or adapted, to carry out nuclear war between the end of the Second World War and 1989. As such, they formed a significant but relatively small part of the post 1945 defence estate.« (Cocroft 2004: 2)

Ziel dieser Inventarisation war eine national einheitliche Bewertung von Relikten des Kalten Krieges, noch bevor mit größeren Verlusten durch Standortschließungen zu rechnen war (vgl. Cocroft 2007). Zunächst wurde eine umfangreiche Übersicht über alle noch bestehenden Relikte in neun Bauwerksgattungen erstellt:

  • – Luftverteidigung,
  • – nukleare Abschreckung,
  • – US-Luftwaffe (als Gaststreitkraft in England),
  • – Forschung und Entwicklung von Rüstungsgütern,
  • – Rüstungsfabriken, Zivile Verteidigung und Zivilschutz,
  • – Depots des Zivil- und Katastrophenschutzes,
  • – Fernmeldeanlagen,
  • – sonstige Relikte

Diese Kategorien wurden in 31 Unterkategorien noch genauer differenziert. Um nur die aussagekräftigsten oder wichtigsten Objekte für den Denkmalschutz auszuwählen, wurden sie so auf nationaler Maßstabsebene verglichen und bewertet.

Umstrittenes Projekt

Das Inventarisationsprojekt von English Heritage ist nach Ansicht der Projektmitarbeiter in zweierlei Hinsicht umstritten gewesen (vgl. Cocroft 2007: 110}): Einerseits stellte sich die Frage, ob Relikte des Kalten Krieges so kurz nach dem Ende dieser Epoche tatsächlich schon schutzwürdig seien. Andererseits war bei Unterschutzstellungen mit wirtschaftlichen Risiken für die Vermarktung der betroffenen Liegenschaften zu rechnen, da die Bewertung der Relikte noch vor dem Verkauf der aufgelassenen Standorte geschehen sollte. Das Interesse an den Relikten des Kalten Krieges nahm während der Projektlaufzeit jedenfalls allgemein zu – unter Umständen allein durch die Tatsache, dass sich die eher für touristische Ziele wie archäologische Parks oder ländliche Herrenhäuser bekannte Organisation English Heritage so intensiv mit Objekten aus der jüngsten Vergangenheit beschäftigte.

Bestandsaufnahme online recherchierbar

Auf Grundlage dieser Bestandsaufnahme wurden schließlich einige Relikte des Kalten Krieges in England unter Denkmalschutz gestellt. Dazu gehört auch der durch die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen bekannte gewordene Luftwaffenstützpunkt Greenham Common im Süden Englands (vgl. Schofield 2000, Fiorato 2007). Die Rechercheergebnisse von English Heritage kann man auf der Plattform Pastscape einsehen. Über eine Suche nach dem Stichwort „Cold War“ findet man dort noch viele weitere, gut dokumentierte Beispiele für Relikte des Kalten Krieges in England.

Literatur:

Cocroft, Wayne D.; Thomas, Roger J. C.; Barnwell, Paul S. (2004): Cold War. Building for Nuclear Confrontation. 1946 – 1989. Swindon: English Heritage.

Cocroft, Wayne D. (2007): Defining the National Archaeological Character of Cold War Remains. In: John Schofield und Wayne D. Cocroft (Hg.): A Fearsome Heritage. Diverse Legacies of the Cold War. Walnut Creek, Calif.: Left Coast Press (One World Archaeology, 50), S. 107–127.

Fiorato, Victoria (2007): Greenham Common. The Conservation and Management of a Cold War Archetype. In: John Schofield und Wayne D. Cocroft (Hg.): A Fearsome Heritage. Diverse Legacies of the Cold War. Walnut Creek, Calif.: Left Coast Press (One World Archaeology, 50), S. 129–154.

Schofield, John; Anderton, Michael J. (2000): The Queer Archaeology of Green Gate. Interpreting Contested Space at Greenham Common Airbase. In: World Archaeology 32 (2), S. 236–251.