Wie umstritten Relikte aus der Zeit des Kalten Krieges sind, zeigt derzeit wieder ein Beitrag der ZDF-Sendung heute in Deutschland. Dort wird von einer Erlebnis-Übernachtung in einem ehemals von der Stasi genutzten Bunker bei Frauenwald in der Nähe des thüringischen Weimars berichtet – NVA-Uniformen und militärischer Drill inklusive. Für rund hundert Euro kann man das „Reality-Erlebnis“ buchen. Die Führung übernimmt ein ehemaliger Mitarbeiter der Stasi.

Ist das nur ein „nostalgisches Freizeitvergnügen“ oder eine „Verhöhnung der Opfer“, fragen die Autoren des ZDF. Christian Dietrich, der thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur macht deutlich: „Es ist eine Demütigung all derer, die unter diesem Gewaltregime gelitten haben.“ Die Besucher hingegen haben offenbar Spaß an der DDR-Zeitreise im Bunker. Ein facebook-Nutzer hat nur einen Kommentar für Dietrichs Mahnung übrig: „Und dann noch dieser Vogel, der wieder alles schlecht macht.“

Christoph Diekmann hat in einer Reportage für DIE ZEIT Geschichte zur Erinnerung an den Fulda Gap „Historiker, Technikfreaks und Grottenolme“ als diejenigen ausgemacht, die Bunker des Kalten Krieges heute bevölkern. Wer in Frauenwald am Werke ist, mag jeder für sich selbst beurteilen. Eine öffentliche und vor allem offene und ernsthafte Diskussion darüber, was mit diesen zahlreichen Relikten aus der Zeit des Kalten Krieges geschehen soll, findet bisher aber kaum statt. Schließlich haben auch die Redakteure des ZDF es sich sehr einfach gemacht, indem sie sich effektvoll am wundersamen Treiben dort ergötzen.