Der Schritt auf die Seite, ist der Schritt in eine längst vergangene Zeit, lass dich mitnehmen auf eine Reise in unterirdische Anlagen und an längst vergessene Orte!

Seit 12. Mai online, über 2.000 Fotos gepostet und fast 25.000 Fans: das sind die Eckdaten der Facebook-Seite Verlassene Orte Schleswig-Holstein. Thema sind „verlassene Orte“ aller Art – von verfallenden Wohnhäusern über stillgelegte Industriegelände bis hin zu brach daliegenden Militärgeländen. Die Fans der Seite schicken dem Betreiber – einem 24-jährigen Studenten aus Lübeck – Fotos zur Veröffentlichung. Das Flensburger Tageblatt hat ein Portrait über ihn und seine Erfolgsseite veröffentlicht.

Ein Online-Hype

Solche facebook-Seiten zu verlassenen Orten oder Lost Places sind ein regelrechter Online-Hype. Es gibt auch die Verlassenen Orte in Deutschland (rund 32.000 Gefällt-mir Angaben), Verlassene Orte Niedersachsen (ca. 35.000 Fans), oder Gruselige Verlassene Orte weltweit (über 60.000 Fans) und viele ähnliche facebook-Seiten, auf denen hauptsächlich Fotos eingestellt werden. Meistens sind nur mit dem Vornamen der Urheber oder einem Pseudonym versehen. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass einige Bilder offenkundig bei illegalem Betreten eines Grundstücks entstanden sind. Von Vandalismus distanzieren sich die Betreiber solcher Seiten jedoch deutlich: Im Vordergrund steht das Geheimnisvolle, die Ästhetik des Verfalls oder die Überraschung, was für merkwürdige Orte die Nutzer im Land kennen.

In den Kommentarspalten

Da genaue Adressen meist nicht genannt werden, aber viele danach fragen, werden sie manchmal in den Kommentarspalten von Nutzern nachgetragen. Dort wird auch öfters wild über die ehemalige Funktion mancher Gebäude spekuliert oder aus eigener Erfahrung oder Hörensagen etwas beigetragen. Bei den Verlassenen Orten Schleswig-Holsteins werden die Kommentare jedenfalls nicht dahingehend moderiert, ob die verschiedenen Deutungen wahr oder falsch sind – und das ist auch nicht das Ziel der Seite.

Relikte des Kalten Krieges

Unter den bis heute (05. Juni) 171 Posts befinden sich auch einige Relikte des Kalten Krieges, der Gegenstand meines Forschungsprojektes. Bei immerhin 20 Fotoserien konnte ich bei einer schnellen Durchsicht Orte und Objekte des Militärs und der Zivilen Verteidigung erkennen, die aus dieser Epoche stammen oder zumindest auch im Kalten Krieg genutzt wurden. Das ist jedoch meine Interpretation – in den Titeln der Posts oder in den Kommentarspalten wird eher selten auf den Kalten Krieg oder irgendeinen anderen historischen Kontext verwiesen. Das Erlebnis des Ortes an sich – ob Bunker, Kaserne, Wohnhaus, Fabrik oder etwas gänzlich rätselhaftes – steht für viele Nutzer offenbar im Vordergrund.

Hier grob sortiert die Beiträge, in denen mir auf den ersten Blick Zeugnisse aus der Zeit des Kalten Krieges aufgefallen sind:
(Irrtümer vorbehalten 😉

(Munitions-)Depots, Sperrmittelhäuser

Kasernen

Andere militärische Stellungen / Liegenschaften

Zivilschutz

DDR-Grenzanlagen

Zwar nicht in Schleswig-Holstein, aber in Sichtweite der Grenze: