Insbesondere Museen in Nord- und Osthessen sowie im Rhein-Main-Gebiet sammeln und präsentieren die Geschichte des Kalten Krieges in Hessen. Dies ist das Ergebnis einer Befragung, die im Januar und Februar 2014 unter Heimat-, Stadt- und Regionalmuseen in Hessen durchgeführt wurde.i Deutlich wird zudem, dass Garnisonen vor Ort, das Leben im Zonenrandgebiet und mit der Grenze sowie die zeitgenössische Debatte um den „Fulda Gap“ die bestimmenden Themen sind.

Ziel der Umfrage war es, einen ersten Eindruck davon zu erhalten, inwiefern der „Kalte Krieg“ von Museen mit überwiegend regionalem und lokalem Bezug in Hessen aufgegriffen wird. Außerdem soll interessierten Museen ermöglicht werden, auf Grundlage dieses Berichtes miteinander in Kontakt zu treten. Die Befragung ist Teil des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projektes „Militarisierte Landschaften – Erinnerungslandschaften: Praktiken ortsbezogenen Erinnerns am Beispiel des Kalten Krieges“ in der Arbeitsgruppe Kulturgeographie am Geographischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sie wurde vom Hessischen Museumsverband e.V. unterstützt.

Grenzturm bei Point Alpha

Symbolische Verdichtung von Fulda Gap und Kaltem Krieg: DDR-Grenzbeobachtungsturm und amerikanischer Observation Post am Point Alpha

Einstellungen zum Thema „Kalter Krieg“ im Museumii

Die überwältigende Mehrheit der teilnehmenden Museen (91,1 %) ist der Meinung, dass es für die Darstellung des Kalten Krieges in Museen noch nicht zu früh sei. Teilnehmer merken dazu an, dass es sich um „eine historische Epoche“ handele; mittlerweile gäbe es eine ganze Generation, welche keine „direkte Erinnerung“ mehr an diese Zeit habe. Ein Teilnehmender warnt jedoch, dass der zeitliche Abstand so gering sei, dass die Museumsmacher auf jeden Fall „Partei“ der repräsentierten Geschichte seien.

Ebenso steht eine deutliche Mehrheit dafür ein, dass die lokalen und regionalen Aspekte des Kalten Krieges in Heimat-, Stadt- und Regionalmuseen vermittelt werden sollten (85,3 %). Eine teilnehmende Institution begründet ihre Darstellung der Epoche damit, dass „in der Zeit des Kalten Krieges […] es ja sogar darum [ging], ob die Region in einem entsprechenden Verteidigungsfall aufgegeben werden solle (Fulda-Gap). Es ist unglaublich wichtig dieses Thema, das vor 30 Jahren die Menschen aufgerüttelt hat, auch heute noch darzustellen.“ Mehrere Teilnehmer weisen allerdings darauf hin, dass das Thema „Kalter Krieg“ nicht ohne Weiteres mit dem Schwerpunkt des eigenen Hauses zu vereinbaren sei und Spezialmuseen dafür besser geeignet wären. Dies könne „in kleineren Museen […] nur bruchstückhaft erfolgen.“

Einschätzung der Bedeutung, die der Kalte Krieg für die Region hatte

Einschätzung der Bedeutung, die der Kalte Krieg für die Region hatte

Knapp ein Drittel (31,4 %) aller antwortenden Museen stimmt der Aussage „voll und ganz“ zu, dass die eigene Region in bedeutender Weise vom Kalten Krieg beeinflusst wurde, während 17,1 % dem „überhaupt nicht“ zustimmen. Über alle Teilnehmenden betrachtet stimmen jedoch jeweils rund die Hälfte dieser Aussage eher zu bzw. lehnen sie eher ab. Am deutlichsten fällt die Zustimmung in Nord- und Osthessen aus, eher ablehnend ist die Antwort im Rhein-Main-Gebiet und den westlichsten Teilen des Bundeslandes. Insbesondere aus den ehemaligen Zonenrandgebieten, aber auch für das Rhein-Main-Gebiet, werden einige Beispiele für militärische Einrichtungen genannt.

Die Meinung darüber, ob die internationalen politischen Zusammenhänge zur Zeit des Ost-West-Konflikts in Heimat-, Stadt- und Regionalmuseen vermittelt werden sollten, ist geteilt: 58,7 % stimmen dem eher zu, 41,2 % lehnen dies eher ab; hier sind die Stimmen jedoch gleichmäßiger verteilt. Während eine Teilnehmerin es für selbstverständlich hält, „dass die lokale Geschichte […] in Zusammenhänge eingeordnet wird“, macht ein anderer Teilnehmer deutlich, dass dieser Kontext vor allem in Begleitmaterial für Ausstellungen vermittelt werden könne.

„Kalter Krieg“ in Ausstellungen

Zehn der antwortenden Museen, ein knappes Drittel, geben an, das Thema Kalter Krieg schon explizit in den Texten eigener Ausstellungen behandelt zu haben; zwei berichten davon, dass lediglich Exponate und Bilder für diese Epoche stehen. Das Heuson-Museum im Rathaus, Büdingen, berichtet, den Kalten Krieg demnächst in einer Ausstellung darstellen zu wollen. Das MUNA-Museum Grebenhain plant zum Internationalen Museumstag eine Sonderausstellung. Themen sind insbesondere

  • Geschichte als Garnisonsstadt, ggf. Besatzungsmächte/Gaststreitkräfte (Vonderau Museum Fulda, Stadtmuseum Kassel, Wetterau-Museum Friedberg, Stadtmuseum Hofgeismar)
  • deutsch-deutsche Grenzgeschichte (Konrad-Zuse-Museum Hünfeld, Grenzmuseum Schifflersgrund, Stadtmuseum Kassel, Vonderau Museum Fulda)
  • Zonenrandgebiet (Vonderau Museum Fulda, Stadtmuseum Kassel)
  • Kalter Krieg lediglich als Kontext der Nachkriegsgeschichte (Museum Altes Rathaus Langen, Museum Steinau a.d.S.)
  • NATO-Lagerkomplexe in ehemaligen NS-Munitionsanstalten und die Friedensbewegung (Museum an der Gersprenz Münster (Dieburg); MUNA-Museum Grebenhain).
In einer Ecke wird auch die Friedensbewegung der 1980er Jahre thematisiert

Plakate der Friedensbewegung in der Außenstelle im NATO-Bunker, MUNA-Museum Grebenhain

Besonders hervorzuheben ist die für das Historische Museum Hanau erstellte Ausstellung Amerikaner in Hesseniii, die als Wanderausstellung auch in Frankfurt, Friedberg und Fulda gezeigt wurde (2008-2010). Im Mittelpunkt der Ausstellung standen die Beziehungen zwischen den amerikanischen Besatzungs- bzw. Gaststreitkräften und der Bevölkerung. Anlass war der Abzug der Amerikaner aus Hanau und die anstehende Konversion frei gewordener Militärareale.

„Kalter Krieg“ als Sammlungsgebietiv

Rund die Hälfte der antwortenden Museen (18 Museen) verwahren Objekte mit Bezug zum Kalten Krieg in ihrer Sammlung; sieben davon verfolgen eine Sammlungsstrategie in Hinblick auf diese Epoche.  Genannt werden Sachzeugnisse zu den Themen Besatzungsmächte / Gaststreitkräfte (15 Museen), Friedensbewegung (5), DDR-Grenzregime / NVA-Grenztruppen (5), Bundeswehr (4) und Zivilschutz (3). Zusätzlich genannt wurden noch Exponate zum Bundesgrenzschutz. Eine Teilnehmerin weist darauf hin, dass „die Durchdringung mannigfaltiger alltäglicher Lebensbereiche mit dem Kalten Krieg“ auch jenseits dieser Kategorien bedacht werden sollte. Neun dieser Museen haben mehr als 20 Objekte mit Bezug zum Kalten Krieg in ihrer Sammlung. Sieben weitere haben eine kleinere Anzahl Objekte, zwei können die Zahl nicht genau angeben.

Detailaufnahme einer Luftfilteranlage aus einem ehemaligen öffentlichen Schutzraum im Depot des Vonderau Museums, Fulda

Detailaufnahme einer Luftfilteranlage aus einem ehemaligen öffentlichen Schutzraum im Depot des Vonderau Museums, Fulda

Acht Museen möchten ihre Sammlung explizit um Sachzeugnisse mit Bezug zum Kalten Krieg erweitern. Dabei wird vor allem auf den allgemeinen Anspruch verwiesen, durch die Sammlung „Stadtgeschichte und ihre BewohnerInnen“ zu repräsentieren und generell „Objekte wegen des regionalen Bezugs zu sammeln und zu pflegen“. Ein Museum betont, dass Objekte mit Bezug zum Kalten Krieg „die Anknüpfung an das eigene Lebensumfeld“ der „Stammkunden“ des Hauses herstellen sollten. Konkret werden von verschiedenen Häusern z. B. Protestplakate der Friedensbewegung, Hinterlassenschaften von militärischen Manövern sowie Fotografien und Dokumente, welche die Einwirkungen der Gaststreitkräfte und das Bekanntwerden der „Problematik Fulda Gap“ vor Augen führen, genannt. Einmal werden dezidiert dreidimensionale Objekte in Abgrenzung von Flachware als Bereicherung für die Sammlung genannt.

Fazit

Rund die Hälfte der teilnehmenden regional- und lokalbezogenen Museen hat sich in seiner Arbeit bereits mit der Epoche des Kalten Krieges in Hessen auseinandergesetzt und verweist auf entsprechende Objekte in der Sammlung. Für die Besucherinnen und Besucher ist das Thema jedoch nur in knapp einem Drittel der Museen in Ausstellungen präsent. Die Bedeutung, die dem Thema Kalter Krieg für die eigene Region zugemessen wird, scheint regionale Besonderheiten aufzuweisen. Die meisten Museen, die das bejahen und auch entsprechende Objekte in ihrer Sammlung identifizieren, sind in Nord- und Osthessen sowie dem Rhein-Main-Gebiet zu finden.

Fußnoten

i Befragt wurden mittels eines standardisierten Fragebogens (online/paper based) in einer Totalerhebung Museen in Hessen mit überwiegend regional-, stadt- oder heimatgeschichtlichem Bezug. Ausgewählt wurden Museen, die der Hessische Museumsverband e.V. in seiner Museumsdatenbank (http://museen-in-hessen.de/, letzter Zugriff 07.01.14) in der Kategorie „Orts- und Regionalgeschichte“ aufführt. Ausgenommen waren also zum Beispiel Militärgeschichtliche Sammlungen der Bundeswehr, wie sie an mehreren Standorten in Hessen bestehen und zum Teil ehrenamtlich von Traditionsvereinen betrieben werden. Bei einigen Heimatmuseen waren keine Ansprechpartner zu ermitteln, so dass insgesamt 124 Museen befragt wurden. Am 16. Februar waren 35 korrekt ausgefüllte Fragebogen eingegangen; das entspricht einer Rücklaufquote von 28,2 %. Die Ergebnisse der Umfrage sind damit nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit, vermitteln aber ein Stimmungsbild über die teilnehmenden Institutionen hinaus. 45,7 % der EinsenderInnen gaben an, in Voll- oder Teilzeit entgeltlich im Museum zu arbeiten, während 48,6 % ehrenamtlich für das Museum tätig waren. Es liegt die Vermutung nahe, dass Museen mit neben- oder hauptamtlichen MitarbeiterInnen eher bereit waren, an der Umfrage teilzunehmen.

ii Für diesen Abschnitt n=34.

iii Bavendamm, Gundula (Hg.) (2008): Amerikaner in Hessen. Eine besondere Beziehung im Wandel der Zeit. Hanau: CoCon.

iv Für diesen Abschnitt n=34.