Obwohl das Bundesland Schleswig-Holstein im Kalten Krieg als strategisch bedeutsam galt und in hohem Maße von der Bundeswehr und alliierten Gaststreitkräften geprägt wurde,i thematisieren hier nur wenige lokale und regionale Museen diese Epoche. Dies ist das Ergebnis einer Befragung, die im September und Oktober 2013 unter Heimat-, Stadt- und Regionalmuseen in Schleswig-Holstein durchgeführt wurde.ii Gleichwohl setzen sich einige Häuser in Ausstellungen, Führungen oder durch einschlägige Sammlungstätigkeit mit der Zeit des Ost-West-Konflikts auseinander.

Ziel der Umfrage war es, einen ersten Eindruck davon zu erhalten, inwiefern der „Kalte Krieg“ von Museen mit überwiegend regionalem und lokalem Bezug in Schleswig-Holstein aufgegriffen wird. Außerdem soll interessierten Museen ermöglicht werden, auf Grundlage dieses Berichtes miteinander in Kontakt zu treten. Die Befragung ist Teil des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projektes „Militarisierte Landschaften – Erinnerungslandschaften: Praktiken ortsbezogenen Erinnerns am Beispiel des Kalten Krieges“ in der Arbeitsgruppe Kulturgeographie am Geographischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sie wurde vom Museumsverband Schleswig-Holstein und Hamburg e.V. unterstützt.

Einstellungen zum Thema „Kalter Krieg“ im Museumiii

Die überwältigende Mehrheit der befragten Museen (84,3 %) ist der Meinung, dass es für die Darstellung des Kalten Krieges in Museen noch nicht zu früh sei. Teilnehmer merken dazu an, dass es enorm wichtig sei, „dass die jungen Generationen Informationen finden können“ und dies auch der „Verdeutlichung lokalhistorischer Zusammenhänge“ diene.

Ebenso steht eine deutliche Mehrheit dafür ein, dass die lokalen und regionalen Aspekte des Kalten Krieges in Heimat-, Stadt- und Regionalmuseen vermittelt werden sollten, auch wenn die Zustimmung hier weniger deutlich ausfällt (73,7 %). Mehrere Teilnehmer weisen allerdings darauf hin, dass das Thema „Kalter Krieg“ nicht ohne weiteres mit dem Schwerpunkt des eigenen Hauses zu vereinbaren sei. Ein Teilnehmer hält die Epoche des Kalten Krieges für ebenso darstellenswert wie jede andere historische Epoche auch und hebt „die manchmal fast skurile Verhärtung der Fronten zwischen Ost und West inkl. Wettrüsten“ hervor sowie, dass „die Gefahr eines Dritten Weltkrieges […] uns als Mahnung immer wieder vor Augen geführt werden“ sollte.

Panzersperre, Hüxterdamm, Lübeck

Vorbereitete Panzersperre, Hüxterdamm, Lübeck

Dennoch spielt das Thema für schleswig-holsteinische Museen offenbar insofern eine untergeordnete Rolle, als dass 68,5 % der Museen der Aussage, dass der Kalte Krieg ihre Region in bedeutender Weise beeinflusst habe, eher nicht zustimmen; 47,4 % stimmen dem gar „überhaupt nicht“ zu. Dem gegenüber steht nur ein knappes Drittel, das seine Region von den Auswirkungen des Ost-West-Konflikts in bedeutender Weise beeinflusst sieht. Ein Teilnehmer zweifelt auch an, dass die Bevölkerung durch die bloße Präsenz der Bundeswehr in der Region „besonders stark an den Kalten Krieg dachte.“

Die Meinung darüber, ob die internationalen politischen Zusammenhänge zur Zeit des Ost-West-Konflikts in Heimat-, Stadt- und Regionalmuseen vermittelt werden sollten, ist geteilt: 52,6 % stimmen dem eher zu, 47,4 % lehnen dies eher ab. Mehrere Teilnehmer betonen, dass dann die Auswirkungen auf die jeweilige Region deutlich gemacht werden müssten.

„Kalter Krieg“ in Ausstellungen

Lediglich vier der befragten Museen geben an, das Thema Kalter Krieg schon explizit in den Texten eigener Ausstellungen behandelt zu haben: das Volkskunde Museum Schleswig in der Ausstellung zu Schleswig-Holsteinischen Erinnerungsorten (Thema Bundeswehr) und der Kinderausstellung „4 wie wir“ (Thema Innerdeutsche Grenze); das Stadtmuseum Schleswig in Ausstellungen mit Pressefotos nach 1955 (Thema Bundeswehr in der Region); das Helgoland Museum in der Sonderausstellung „60 Jahre Europa auf Helgoland“ (Themen friedliche Besetzung Helgolands, Studentenprotest gegen Wiederbewaffnung der BRD, Propagandaschlacht um den Roten Felsen) sowie das Stadtmuseum Wedel (Themen Zeitzeugenberichte von ehem. DDR-Bürgern und Friedensbewegten, örtliche Rüstungsindustrie). Das Friesische Museum Niebüll plant, den Kalten Krieg zukünftig in einer Ausstellung darzustellen.

Auslösung der Luftschutzsirenen im ganzen Land war auf Knopfdruck möglich

Auslösung von ABC-Alarm: Museum Luftschutzwarnamt I, Quickborn

Gelegentlich thematisieren Museen auch die Epoche des Kalten Krieges in Führungen unabhängig davon, ob dies in den Ausstellungstexten geschieht, so zum Beispiel in der Geschichtswerkstatt Herrenwyk in Lübeck und in Planung in den Stadtmuseen von Mölln und Norderstedt. Sechs Museen geben außerdem an, dass sie schon von Besuchern auf den Kalten Krieg in ihrer Region angesprochen wurden. Dabei spielten die Themen Flucht und Vertreibung, DDR und Grenze sowie militärische Planungen und Friedensbewegung eine Rolle.

„Kalter Krieg“ als Sammlungsgebiet

Neun Museen (22,5 %) verwahren Objekte mit Bezug zum Kalten Krieg in ihrer Sammlung; keines der Museen verfolgt jedoch eine Sammlungsstrategie in Hinblick auf diese Epoche. Genannt werden Sachzeugnisse zu den Themen Besatzungsmächte / Gaststreitkräfte (6 Museen), Friedensbewegung (5), Bundeswehr (4), DDR-Grenzregime / NVA-Grenztruppen (3) und Zivilschutz (1). Zusätzlich genannt werden noch Exponate zu anderen Streitkräften der DDR und zum Kuratorium Unteilbares Deutschland. Fünf der Museen zählen nur eine kleine Anzahl von bis zu zehn Exponaten, für die sie einen deutlichen Bezug zum Kalten Krieg erkennen. Die anderen vier besitzen jeweils über 20 solcher Objekte.

Museumsreif? Die NATO-Brückenschilder werden sukzessive abgebaut.

Museumsreif? Die NATO-Brückenschilder werden sukzessive abgebaut.

Einige Museen hoffen, ihre Sammlung durch „alltägliche“ Objekte mit Bezug zum Kalten Krieg zu erweitern, etwa Plakate, Flugblätter oder Filme (4), oder thematisch in Hinblick auf Friedensbewegung, Rüstung und „Kommunisten-Hatz“ (2). Weitere Museen betonten jedoch erneut den Konflikt mit ihrem historischen Sammlungs-Schwerpunkt (3) bzw. in einem Fall damit, dass es in einem kleinen Dorfmuseum für dieses Thema „zu wenig Akzeptanz“ gebe. Kein Museum, das nicht ohnehin schon Sammlungsbestände der Epoche des Kalten Krieges zuschreibt, wünscht sich spezifische Objekte zur Ergänzung seiner Sammlung in dieser Hinsicht.

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Museen in Schleswig-Holstein, die laut eigenen Angaben Objekte „mit Bezug zum Kalten Krieg“ in der Sammlung haben sowie die nicht befragten, in Fußnote ii erwähnten Grenz- und Spezialmuseen (ohne militärgeschichtliche Sammlungen).

Fazit

Gut ein Drittel der teilnehmenden Museen hat sich in seiner Arbeit bereits mit der Epoche des Kalten Krieges in Schleswig-Holstein auseinandergesetzt. Für die Besucherinnen und Besucher der Museen mit überwiegend regionalem und lokalem Bezug ist das Thema jedoch nur selten in den Ausstellungen präsent. Von den 15 Museen, die in ihren Ausstellungen, Führungen oder Sammlungen einen Bezug auf die Epoche des Kalten Krieges herstellen bzw. dies in Zukunft beabsichtigen, liegen nur drei im grenznahen Bereich der Landkreise Ostholstein, Herzogtum Lauenburg und der Hansestadt Lübeck. Auch wenn die Erfahrung der Deutschen Teilung für das alltäglichen Leben der Menschen im Zonenrandgebiet sicherlich prägend war, so wird die Epoche des Kalten Krieges auch anderswo thematisiert und ist keineswegs auf die östlichen Landesteile beschränkt.

Fußnoten

i Vgl. Piening, Holger (2006): Die Bundeswehr. In: Carsten Fleischhauer und Guntram Turkowski (Hg.): Schleswig-Holsteinische Erinnerungsorte. Heide: Boyens, S. 104–113; Lange, Ulrich; Ingwer Momsen; Eckart Dege und Hermann Achenbach (Hg.) (1999): Historischer Atlas Schleswig-Holstein seit 1945. Neumünster: Wachholtz, S. 173–176.

ii Befragt wurden mittels eines standardisierten Fragebogens (online/paper based) in einer Totalerhebung Museen in Schleswig-Holstein (und das Altonaer Museum in Hamburg) mit überwiegend regional-, stadt- oder landesgeschichtlichem Bezug. Ausgewählt wurden Museen, die der Museumsverband für Schleswig-Holstein und Hamburg in seiner Museumsdatenbank (http://museen-sh.de/Museum/, letzter Zugriff 15.09.13) mit den Kategorien Geschichte (Regional-/Stadtgeschichte, Landesgeschichte) und Volkskunde (Heimatmuseum, Heimatsammlung, Landesmuseen, Freilicht-/Bauernhofmuseum) verschlagwortet. Einige Gutsmuseen wurden nicht angeschrieben; bei einigen Heimatmuseen waren keine Ansprechpartner zu ermitteln, so dass insgesamt 95 Museen befragt wurden. Am 15. Oktober waren 40 korrekt ausgefüllte Fragebogen eingegangen; das entspricht einer Rücklaufquote von gut 42 %. Die Ergebnisse der Umfrage sind damit nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit, vermitteln aber ein Stimmungsbild über die teilnehmenden Institutionen hinaus. 52,5 % der Befragten gaben an, in Voll- oder Teilzeit entgeldlich im Museum zu arbeiten, während 37,5 % ehrenamtlich für das Museum tätig waren. Es liegt die Vermutung nahe, dass Museen mit neben- oder hauptamtlichen MitarbeiterInnen eher bereit waren, an der Umfrage teilzunehmen. Spezialmuseen wie das private Museum Luftschutzwarnamt I, Quickborn, die Grenz-Dokumentationsstätte Lübeck-Schlutup, das Grenzhus Schlagsdorf sowie die Grenzausstellung im Museum Priesterkate, Büchen, wurden nicht befragt bzw. beantworteten die Umfrage nicht. Ausgenommen sind ebenfalls die Militärgeschichtlichen Sammlungen der Bundeswehr, wie sie an mehreren Standorten in Schleswig-Holstein bestehen und zum Teil ehrenamtlich von Traditionsvereinen betrieben werden.

iii Für diesen Abschnitt n=38.